Jahrhunderteis

 

Mein Großvater hat mir als Kind immer davon erzählt, dass er einmal einen zugefrorenen Rhein erlebt hat. Ich konnte das anfangs gar nicht glauben, bis er mir dann Fotos zeigte. Die Bilder zeigten meinen Großvater wie er mit einigen anderen Männern auf dem mit Eis bedeckten Rhein stand. Auf einen Eisblock war die Jahreszahl gemalt: 1929. Ich war mächtig stolz auf meinen Großvater, ich liebte ihn gerade wegen seiner interessanten Geschichten und ich habe viel von ihm gelernt. Nur der zugefrorene Rhein, das war etwas, was ich auch gerne

 

 

 

 

einmal erlebt hätte. Aber keine Chance! Der Rhein dachte seit 1929 nicht mehr daran zuzufrieren.

Dann kam 2003. Und das habt ihr ja alle erlebt. Zuerst das Hochwasser der Sieg, sehr extrem, es war ein Rückstau vom Rhein. Die Felder vor Meindorf waren so weit man sehen konnte überflutet. Und dann einige Tage strenger Frost. Es bildeten sich riesige Eisflächen, glatt und glänzend. Ja und damit hatten wir wohl alle unseren Spaß. Schlittschuhlaufen, Schlittenfahren, Eisrutschbahnen, alles was das Herz begehrt. Alle haben wir das weidlich ausgenutzt. Leider war der Spaß viel zu schnell vorbei.

Aber es bleibt etwas: Wenn die Meindorfer Kinder einmal Großvater oder Großmütter sind, erzählen sie von den großen Eisflächen bei Meindorf. dem Jahrhunderteis. Und auf den Bildern die sie ihren Enkeln zeigen steht die Jahreszahl: 2003

Günther Wippenhohn

Quellen: mündl. Franz Bargon, Troisdorf

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